Ostermarsch 2017 in München. Foto: Betriebsaktiv

»Wir bringen Rot in den Wahlkampf«

Raimund MünderHacki Münder  ist 64 Jahre alt. Er hat als Maschinenschlosser gearbeitet und war in der IG Metall organisiert. Dann wurde er Berufsschullehrer, Personalrat und Mitglied der GEW. Nunmehr im Ruhestand gibt er allerdings keine Ruhe.

Warum trittst du für die DKP zur Bundestagswahl an?

Zu Wahlkampfzeiten erreicht man möglicherweise eine größere Aufmerksamkeit für Frieden, Arbeit und Solidarität – drei Punkte für die Kommunisten. Unsere Stimme ist nicht laut, wir haben keine Millionen zur Verfügung wie die Bürgerparteien. Also sollten wir die Gelegenheit nützen, etwas mehr Gehör zu finden.
Es kommt an den Infoständen der DKP immer wieder die Frage, warum die Linken so zersplittert sind. Warum ruft die DKP nicht zur Wahl der Partei Die Linke auf? Die ist doch auch gegen Krieg und Kapitalismus?

Die Partei Die Linke glaubt, mit einer Regierungsbeteiligung den Kapitalismus menschlicher machen zu können. Ich meine, die Partei Die Linke braucht Druck von links. Es geht darum, den Kampf der Arbeiter zu organisieren. Das macht die Partei Die Linke nicht. Als sie erstmals in Berlin mit der SPD in einer Koalitionsregierung war, hat sie sofort mitgestimmt, aus dem Tarifvertrag für die Länderbeschäftigten auszusteigen. Also Arbeiterrechte in Berlin abgeschafft. Da hätte sie die Koalition verlassen müssen.

Viele Linke hoffen auf Rot-Rot-Grün nach der Bundestagswahl. Wenn die drei Parteien Forderungen der Arbeiterklasse durchsetzen könnten, wäre das nicht eine Chance?

Mit der SPD, die die Agenda 2010 zu verantworten hat? Auf die SPD ist kein Verlass. Der größte Sozialabbau bisher fand unter Rot-Grün statt. Das hat nicht einmal Kohl geschafft. Die Schröder-Fischer-Regierung hat die Gewerkschaften ruhiggestellt, das war ihr Job. Und seit 1999, seit der Bombardierung von Belgrad, sind auch die Grünen eine Kriegspartei.

Jetzt hat der Schulz als Kandidat die SPD aufgerüttelt.

Die SPD mit ihrem neuen Vorsitzenden könnte jetzt im Bundestag was für die Arbeiter tun, zum Beispiel die Abschaffung von befristeten Arbeitsverträgen durchsetzen. Eine Forderung der Partei Die Linke. Die SPD hätte zusammen mit den Grünen und der Partei Die Linke die Mehrheit. Die SPD bzw. die Nahles lehnte das ab – soviel zur Schulz-SPD.

Die AfD tritt als Protestpartei an. Nach einer Umfrage der IG Metall wollen 15 Prozent der Arbeiter AfD wählen. Was unterscheidet die AfD von der DKP?

Der Prostest der AfD-Anhänger wird genährt von der Unterdrückung der arbeitenden Bevölkerung durch das Kapital. Die AfD bietet jemand an zum Draufhauen: Flüchtlinge, Muslime, Politiker. Die AfD steht auf der Seite des Kapitals, der wirklich Herrschenden.

Der Unterschied zur DKP: Leicht ist es nicht, die Herrschenden anzugreifen. Aber nur das ändert was an unseren Lebensbedingungen.

Und die DKP glaubt, das mit dem Bundestagswahlkampf zu erreichen?

Nein! Aber wir bringen Rot in den Wahlkampf. Nicht Rosa oder Pink.

Übernommen aus der AufDraht, der gemeinsamen Betriebszeitung des DKP-Betriebsaktivs München und der Gruppe KAZ