Corona am Nordklinikum Nürnberg: Ein Krankenpfleger berichtet


Überall wird von Corona gesprochen. Wir alle sind betroffen. Gleichzeitig wissen viele, wem Applaus gebührt: Den Menschen im Gesundheitswesen. Doch was genau bedeutet dieser Virus für die Arbeit im Nordklinikum Nürnberg? Dazu hat uns Philipp Ahnert, Pfleger im Nordklinikum, einige Einblicke gegeben:

Wie schaut derzeit die Arbeit im Nordklinikum aus? 

Einen Gesamtüberblick kann man als Pfleger nicht haben. Das Klinikum ist ja riesig. Da gibt es ja große Unterschiede in den  Abteilungen. Viele treten zu Gunsten der Intensivkapazitäten kürzer. Alle rechnen mit einer steigenden Zahl an COVID-19-Infizierten. Darauf bereiten sich gerade alle vor. Noch reichen die Plätze aus.

Gibt es dabei Dinge, die euch an der Arbeit hindern?

Total. Schutzausrüstung ist Mangelware. Sachen, die man nur einmal benutzen sollte, müssen wir nun stundenlang tragen. Es wurde vor der Pandemie an ausreichendem Vorrat gespart. Das ging ja auch durch die Presse. Außerdem werden wir nicht getestet, wenn wir keine Symptome  haben. Auch wenn es vorher Kontakt mit Infizierten gab.

Woran liegt das?

Naja alle wissen, dass es an Personal fehlt. Da lässt man lieber Kranke arbeiten, als verantwortungsvoll  zu testen. Die Leute fehlen auch ohne Corona-Krise. Seit über 10 Jahren hat man am Personal gespart.  Wie oft haben wir auf den Pflegenotstand aufmerksam gemacht? Überlastungsanzeigen geschrieben?

Das wissen die Chefs und Regierungen ganz genau. Haben ja mit Absicht so viele Kliniken dicht gemacht  und privatisiert. Dazu auch noch die Krankenhäuser in kommerzielle Dienstleister verwandelt. Und  wenns bloß um die Kohle geht, stören halt zu viele Pflegekräfte. Das sind dann ja nur „Personalkosten“

Das klingt bitter…

So ist es ja aber auch. Leute klatschen für uns – klar, das ist geil. Ist ja auch schön, wenn man
Wertschätzung bekommt. Aber all die Politiker, ob Söder, Merkel oder die anderen, die jetzt auf  Solidarität machen und dabei das Ganze zu verantworten haben, kotzen mich an. Wir brauchen nicht 500 Euro Sonderzulage. Und wir brauchen auch kein bezahltes Mittagessen. – Danke – ist cool. Aber was wir wirklich brauchen ist ein ordentlicher Personalschlüssel.

Wir brauchen genug Leute in der Klinik. Wir wollen nicht mehr verheizt werden und nach fünf Jahren Burnout haben. Wir wollen Zeit für unsere  Patientinnen und Patienten haben. Weil das viele so fertig macht, hören die auf als Pflegekraft zu arbeiten: 600.000 examinierte Pflegerinnen und Pfleger arbeiten nicht mehr in dem Job – ist doch Wahnsinn.

Wie ist die Perspektive?

Wir werden alles daran setzen, diese Krise gemeinsam zu schaffen. Das  Verhalten der Leute ist ja insgesamt total super. Ich frage mich, was nach  der Krise kommt. Wenn der Applaus verhallt ist. Kommen dann wieder die Schließungspläne, wie zum Beispiel für die Klinik in Hersbruck? Es  hat sich doch gezeigt, dass ein Gesundheitssystem, das auf Profit  getrimmt ist, große Scheiße ist. Weil damit aber Großkonzerne, wie  Asklepios & Co. Milliardenprofite machen, wird das nach der Krise wieder auf der Tagesordnung stehen. Wir, in den Krankenhäusern, werden mit unseren Betriebsräten und der Gewerkschaft dagegen kämpfen.

Das wird allerdings nicht reichen – bisher hat es die Bosse & Regierungen auch nicht interessiert. Unser Protest muss von allen Betroffenen getragen werden: Den Patientinnen und Patienten, den Angehörigen – eigentlich allen, die eine ordentliche Versorgung im Krankheitsfall wollen.

Es gibt da so nen Slogan, den ich ganz gut finde: „Mehr von uns ist besser für alle.“

Das hat diese Krise klar gemacht – und das müssen wir danach auch durchsetzen. Und da wird sich zeigen, wessen Applaus ehrlich ist und wer das nur heuchelt.

Philipp & die DKP fordern:

  • Rückführung der privatisierten Kliniken in öffentliche Hand und ausreichender finanzieller Ausstattung
  • Einen Pflegeschlüssel der optimale Pflege gewährleistet
  • Regelmäßige Tests des Gesundheitspersonals

Gesundheit ist eben keine Ware, sondern unser aller Grundrecht!